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Motivation, Triebe und Bedürfnisse neu erklärt
Buchbeschreibung:



Der getriebene Mensch - und was er tun muss, um beziehungstauglich zu werden: Ein Erklärungsmodell des menschlichen Verhaltens

Die These “Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis” sowie das in letzter Zeit verstärkte Klagen über Egoismus und “Werteverfall”, basierend auf einem Bild des von Haus aus sittlich und ethisch gut angelegten Menschen, zeigen nur, dass viele die menschliche Natur nicht verstehen (wollen), da sie sie nicht kennen (wollen).

Das Problem ist, dass bis dato kein geschlossenes Bild der Triebkräfte und der Motivation des menschlichen Handelns existiert. Sozialwissenschaften, Psychologie und Evolutionstheorie enthalten zwar einzelne durchaus stimmige Elemente eines Flickenteppichs, verfügen jedoch über kein geschlossenes Modell der menschlichen Verhaltensweisen.
Die Bedürfnistheorien, die versuchen, menschliches Verhalten und Motivation zu erklären, sind in Inhaltstheorien (z.B. Maslow, Herzberg, Alderfer, McClelland, McGregor) und Prozesstheorien (z.B. Vroom's Expectancy Theory, Adams' Equity Theory, Skinner Reinforcement Theory)unterteilt, als bildeten die Ziele des Menschen und seine Wege zu den Zielen keine Einheit.
Obwohl Mord und Totschlag, Unterdrückung anderer bis zur Sklaverei etwas anderes aussagen, ist das nicht haltbare sozialromantische Modell des grundsätzlich “guten Menschen” von Maslow nach wie vor in Schule und Studium das bevorzugte Erklärungsmodell menschlichen Handelns und menschlicher Motivation.

Motivation wird als intrinsische oder extrinsische Motivation des Menschen erklärt. Davon abgesehen, dass Motivation nur intrinsisch sein kann, erklärt sie nicht, wann und warum sich die Antriebskräfte eines Menschen auch gegen bestimmte Zustände wenden können. Intrinsische Motivation ist auch nicht einheitlich. Völlig vernachlässigt wird die passive Motivation, als das Erwarten der Menschen, dass andere sich gemäß ihren eigenen Vorstellungen zu verhalten haben, was das reaktive menschliche Handeln entscheidend mitprägt.

Alle diese Lücken werden mit diesem Buch geschlossen. Wir beschreiben ein durch empirische Beispiele belegtes Modell des menschlichen Verhaltens, das in sich widerspruchsfrei ist:

Der Mensch - rastlos Suchender nach dem persönlichen Glück
Die dauerhafte, ununterbrochen wirkende Grundmotivation des Menschen ist sein Streben nach Glück, das bereits von Plato, Aristoteles u.v.a formuliert worden ist, bzw. sein Streben, Unglücklichsein zu vermeiden. An diesen Leitzielen richtet sich das ganze menschliche Verhalten aus.

Drei Zieltriebe und ein Prozesstrieb bestimmen das menschliche Handeln Basistrieb des Menschen ist der Geltungstrieb, aus dem heraus ihm ein positives Selbstwertgefühl, als Bewusstsein der eigenen Wichtigkeit und Bedeutung erwächst. Dieser Glaube an die eigene Stärke und Bedeutung sowie an die Fähigkeit sein Glück zu finden - wie das individuell auch immer definiert sein mag - ist lebenswichtig, da das Leben ansonsten keinen Sinn macht.

Wozu sollten Menschen leben wollen, wenn sie an kein persönliches Glück mehr glauben? Selbsttötung wäre die Folge, verbunden mit der Gefahr, dass menschliches Leben bald von der Erde verschwunden wäre. Das Leben muss aber weitergehen und weiter gegeben werden. Alle Menschen verfügen daher über selbstwertdienliche Strategien, um das eigene Selbstwertgefühl nicht in einen gefährlichen negativen Bereich abgleiten zu lassen. Eigenwillige Interpretationen der Realität bis zum Realitätsverlust, Selbstdarstellung, Lügen, Prahlen, Fehler bestreiten, Macht erringen und anzuwenden, alles das sind Strategien, den eigenen Selbstwert in einem positiven Bereich zu halten. Auf einem intakten Geltungstrieb bauen der Lebenstrieb und der Sexualtrieb auf.

Weil wir also einerseits selbstverliebt und andererseits selbsteffizient ausgerichtet sind, betrachten wir unsere Umwelt nur unter einem einzigen Aspekte:

Taugt sie zur Befriedigung meiner Bedürfnisse?


Unsere Gefühle sind nicht irrational, sondern verlässlicher Indikator unserer momentan herrschenden Bedürfnislage. Defizite spüren wir durch "negative" Gefühle, Bedürfnisbefriedigung erleben wir in "positiven" Gefühlen. Wenn also unsere Umwelt "taugt" - angezeigt durch positive Gefühle- benutzen wir sie, wenn sie nicht taugt - angezeigt durch negative Gefühle - versuchen wir sie - durchaus auch mit Gewalt - in einen Zustand zu bringen, der unseren Bedürfnissen taugt.

Auf dem Weg zu unseren Zielen - Bedürfnisbefriedigung zu erreichen oder Bedürfnisdefizite abzuwehren - werden wir vom Effizienztrieb gesteuert. Wir Menschen sind energieumwandelnde Systeme, die jedoch selbst nicht über Energie verfügen. Unsere physische Existenz hängt also davon ab, dass wir permanent selbst ausreichend mit Energie versorgt sind. Weil diese Energie jedoch ein knappes Gut ist, ist in uns ein permanentes Bestreben vorhanden, mit dieser knappen Energie selbsteffizient umzugehen. Der Effizienztrieb als Prozesstrieb, sorgt dafür, dass die eigene, knappe Energie grundsätzlich nur dazu verwandt wird, die eigenen Triebe und Bedürfnisse auf effiziente Weise zu befriedigen, insbesondere die zur Existenzvernichtung führende Erschöpfung des Systems (Exhaustierung) zu verhindern. Er bevorzugt daher Verhaltensweisen, mit denen wir unsere Ziele mit optimalem Verhältnis von Energieeinsatz zu Energieertrag erreichen. Denn eigenen Nutzen durchaus auch ohne jeden eigenen Aufwand zu maximieren, ist im Prinzip das optimale Energieeinsatz - Energieertragsverhältnis. Selbst Energie sparen und andere für uns Energie aufwenden zu lassen, also grundsätzlich gerne andere auszubeuten und auf Kosten anderer zu leben, ist das Ergebnis. "Bring mir doch mal einen Kaffe rüber!".

Asoziales Verhalten ist selbstverständlicher Teil unserer immanenten Triebkräfte
So lassen wir uns sehr gerne aushalten und beschenken, wir stehlen - sehr gerne auch geistiges Eigentum - und lassen uns korrumpieren, weil das vordergründig eben optimale Energieeinsatz- Energieertragsverhältnisse ergeben. Die Arbeitskraft anderer auszubeuten - "die starken Schultern mehr tragen lassen" - andere auch sexuell auszubeuten, Flora und Fauna auszubeuten, ist Teil der menschlichen Natur.Alles das ist selbsteffizient- nicht jedoch gemeinschaftseffizient.


"Niemand ist zufällig gut, die Tugend muss erlernt werden" (Seneca, 4.v. - 65.n.Chr.) Begraben wir also endgültig alle selbstwertdienlichen Theorien, die davon ausgehen, der Mensch sei von Haus aus "sittlich und ethisch gut." Wir Menschen sind das grundsätzlich nicht und daher auch grundsätzlich nicht beziehungsfähig, wenn man Beziehung als gleichberechtigtes Zusammenleben und - arbeiten betrachtet. Akzeptieren wir daher, dass ohne zielgerichtete, bewusste Sozialisierung der Individuen eine Gesellschaft der Egomanen besteht. Dahin geht im Moment der Trend immer mehr, da auf Erziehung offensichtlich weitgehend verzichtet wird. Schrankenlose Selbstverwirklichung ist angesagt. Gerade auch die Scheidungsraten zeigen den Erfolg dieser Einstellung.

Wir zeigen in dem Buch einen Ansatz, wie wir Menschen uns aus dem Naturprogramm in ein Menschenprogramm emanzipieren können, wie wir einen Weg finden können, sich Vorgehensweisen und Sozialtechniken anzueignen, die uns beziehungstauglich machen!
Dazu braucht es dauernder Anstrengung, um gegen die permanenten Strebungen aus unserem Naturprogramm anzukämpfen. Das erfordert viel Kraft aus einem starken Willen - aber diese Anstrengungen sind keine Frage der Intelligenz, und daher von jedem willensstarken Menschen zu schaffen.


Briehl,Ludwig: Der getriebene Mensch - und was man tun muss, um beziehungstauglich zu werden. Ein Erklärungsmodell des menschlichen Verhaltens.

WiKu - Verlag für Wissenschaft und Kultur Dr. Stein & Brokamp KG, Stuttgart, 2003
ISBN: 3-936749-41-8

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